„Wir werden die Größten sein. Dann kommen auch die Mädchen.“

„Wir sind Disco-Besitzer!“

Ab 14. August 2015 auf DVD und Blu-ray und als VOD

„So ist es richtig. Immer aktiv sein. Immer mit dem Kollektiv vorneweg. So wird man ein guter Soldat.“

Als wir träumten

Als wir träumten war der Stadtrand von Leipzig die Welt.
Die DDR war weg und wir waren noch da. Pitbull war noch kein Dealer.
Mark war noch nicht tot.
Rico war der größte Boxer und Sternchen war das schönste Mädchen, doch sie hat mich nicht so geliebt, wie ich sie.
Alles kam anders. Aber es war unsere schönste Zeit.

Dani, Mark, Rico, Pitbull und Paul leben im Rausch einer besonderen Zeit. Jahre, in denen Gesellschaften und Systeme aufeinander prallen und alles, wirklich alles möglich scheint. Die Jungs sind dreizehn, als die Geschichte in der DDR beginnt, siebzehn, als sie im neuen Deutschland endet. Kraftvoll, wild und zärtlich verfilmte Regisseur Andreas Dresen (Halbe Treppe, Halt auf freier Strecke) mit ALS WIR TRÄUMTEN den gleichnamigen Erfolgsroman von Clemens Meyer. Das Drehbuch schrieb Wolfgang Kohlhaase. Nach „Sommer vorm Balkon“ und „Whisky mit Wodka“ ist es die dritte Zusammenarbeit mit Andreas Dresen. ALS WIR TRÄUMTEN ist offizieller Wettbewerbsbeitrag der 65. Internationalen Filmfestspiele Berlin 2015.

Pressestimmen

« Dresen aber hat offensichtlich den richtigen Abstand. (...) Wahrscheinlich gelingt es ihm nur darum, am Ende auch die Traurigkeit der geplatzten Träume einzufangen, ohne dabei Sozialkitsch zu produzieren. Was herauskommt, ist ein wilder, schöner Blues, und es ist zwar viel passiert seit der „Feuerzangenbowle“, aber „Als wir träumten“ ist trotzdem ein deutscher Jugendklassiker. » Cicero

« Die Annäherung an Meyers Figuren ist getrieben von den für Dresen typischen Motiven, nämlich vorurteilsfreier Neugier und wahrer Empathie. Und so fächert er die Geschichte von Dani, Mark, Rico, Paul, Pitbull und Sternchen derartig feinfühlig auf, dass sie am Ende gewohnt großherziges Dresen-Kino ist - nur eben mit mehr Bass, tatsächlich wie metaphorisch. » Spiegel Online

« Andreas Dresen übersetzt Clemens Meyers illusionslosen Milieuroman „Als wir träumten“ in einzigartige, berückende Bilder. Und setzt damit Maßstäbe für das deutsche Kino.  » FAZ

« Als wir träumten“ würde jedes Festival der Welt zieren. Weil es sich um Weltklassekino handelt.  » FAZ

« Andreas Dresen vermittelt in dieser spezifisch deutschen Coming-of-Age-Geschichte zu Wendezeiten mit viel Humor und mitreißendem Schwung das ganz besondere Lebensgefühl seiner jugendlichen Protagonisten. » filmstarts.de

„Ich muss nach Hause. Meine Mama sagt, ich werd’ ein Verbrecher.“

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"Als ich träumte" VI VON DENKWÜRDIGKEITEN - DER BUSCHFUNKER Dr. Klaus Koch (60), damals Kulturwissenschaftler, heute Chef eines Musikverlags Geträumt? Wohl eher Schlafstörungen bis Schlaflosigkeit! Ein implosives Moment erlebte ich am Berliner Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße: In meinem Trabi sitzend, ungläubig zwischen Kopfschütteln und Hände abklatschen, ahnend, dass von nun an nichts mehr so sein wird, wie es war. Mein erster Weg führte mich nicht in eine Umtauschstelle, sondern in die Kreuzberger Gneisenaustraße, wo ich nach 25 Jahren erstmals das Liedermacherduo Pannach & Kunert treffen und zu einem Konzert in Leipzig überreden wollte. Als Siebzehnjähriger gehörten sie zu meinen Helden. Noch im Dezember 1989 gründeten wir ein »Büro für zeitgenössische Kunst«. Das war damals der hilflos wirkende Versuch, nicht unmittelbar miterleben zu müssen, wie sich in der Akademie der Künste (Ost) die Mitarbeiter untereinander ihre persönlichen Ab- und Aufrechnungen um die Ohren warfen. Heute, 25 Jahre später, zu unserem Jubiläum, immer noch in den gleichen Büroräumen im Prenzlauer Berg sitzend, werten das einige als frühe Hell- und Weitsicht, andere als Flexibilität im Umgang mit jähen Wendungen. Es war nichts davon. Die Konzerte mit dem Duo am ersten Weihnachtsfeiertag 1989 in Leipzig-Lindenau waren rundum denkwürdig. Das zweite Konzert, das ich in Leipzig im März 1990 organisierte, musste abgebrochen werden. Vom schnell umbenannten Augustusplatz versuchte rechter Pöbel direkt nach der Abschlusskundgebung der »Allianz für Deutschland« den unweit entfernten Studentenklub »Moritzbastei« zu stürmen. Man brauchte in den folgenden zwei Jahren noch fast kein Geld, um über die Runden zu kommen. Mit einigen Künstlern waren wir seit langem bekannt oder gar befreundet. Ein wenig hielten wir uns in dieser Zeit auch aneinander. Mit dem Clowns-Duo Wenzel & Mensching ging ich auf Tour. Weniger die oft ausverkauften Theater an sich, wohl aber deren analytische bis satirische Fähigkeiten, bewahrten mich davor, dass Absturzängste geringer und Gedanken an Höhenflüge größer wurden. Dann erscheint die erste Scheibe von Gerhard Gundermann und nicht wenige andere Künstler kommen, nun als neue Randgruppe, wieder hervor. Ich machte meinen ersten (und letzten) Last-Minute-Urlaub auf Mallorca und war froh, dass ich in der DDR noch eine Fahrerlaubnis erworben habe. So entdeckte ich das Landesinnere.

photo 01.04.2015 · 12:00h · 10 Personen gefällt das

„Machst du deiner Oma auch so viel Freude?“

Andreas Dresen (Regie)

Mit liebevollem und wachem Blick widmet sich Regisseur Andreas Dresen (geb. 1963 in Gera)  in seinen Filmen immer wieder den Empfindungen und der Lebenswirklichkeit seiner Figuren.  Die Glaubwürdigkeit und das Einfühlungsvermögen, mit denen er auch vermeintlich schwierige Themen wie Liebe und Sexualität im Alter oder den Umgang mit dem Sterben inszeniert, sind längst zu einem Markenzeichen geworden und wurden mit zahlreichen Preisen bedacht. Mit „Als wir träumten“, basierend auf dem Bestseller von Clemens Meyer, zeigt Dresen nun eine weitere Facette seines Könnens: In kraftvollen, pulsierenden Bildern erzählt er packend und doch einfühlsam von Träumen und harten Einschlägen, vom Erwachsenwerden in jener besonderen Zeit zwischen Aufbruch und Resignation im Leipzig zu Beginn der 1990er Jahre. 

Filmographie (Auswahl)

  • Halt auf freier Strecke (2011)
  • Wolke 9 (2008)
  • Sommer vorm Balkon (2005)
  • Halbe Treppe (2002)

„Sternchen…  so hat mich schon lange keiner mehr genannt.“

Wolfgang Kohlhaase (Drehbuch)

Ganz gleich, ob in seinen Arbeiten für die DEFA oder in der Zusammenarbeit mit Volker Schlöndorff und Andreas Dresen,  der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase  (geb. 1931 in Berlin) ist einer der wenigen seiner Zunft, dessen Namen stets im selben Atemzug mit dem Regisseur genannt wird. Bereits seit über 50 Jahren prägt er mit seinen authentischen Geschichten und seiner lakonischen, oft sehr sparsamen Sprache das deutsche Kino. Eine Leistung, die von der Berlinale 2010 mit dem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde.

Filmographie (Auswahl)

  • Sommer vorm Balkon (2005, Regie: Andreas Dresen)
  • Die Stille nach dem Schuss (2000, Regie: Volker Schlöndorff)
  • Solo Sunny (1980, Regie: Konrad Wolf)
  • Berlin – Ecke Schönhauser (1957, Regie: Gerhard Klein)

„Mal was anderes: Glaubst du an den Sinn des Lebens?“

Clemens Meyer (Romanvorlage)

Die literarische Vorlage für „Als wir träumten“ liefert das 2006 erschienene Romandebut  von Clemens Meyer. 1977 in Halle/Saale geboren und aufgewachsen in Leipzig-Ost, beschreibt der Autor darin mit großer Wucht den Alltag einer Jungenclique im Leipzig der Nachwendezeit und trifft damit den Nerv einer Generation.  Für sein Werk erhielt Clemens Meyer zahlreiche Auszeichnungen. Mit seinem Roman „Im Stein“ schaffte er es 2013 auf die Shortlist für den deutschen Buchpreis.

Bibliographie (Auswahl):

  • Im Stein (2013)
  • Gewalten (2010)
  • Die Nacht, die Lichter (2008)
  • Als wir träumten (2006)

„In der Halle trainierte auch Eismann. Er hatte alle geschlagen, die in Frage kamen. Er sah aus, als ob er wenig Humor hatte. Aber den hatte er vielleicht ja auch nicht nötig.“

Darsteller

MERLIN ROSE (Dani)

Merlin Rose, 1993 geboren, profilierte sich bereits in zahlreichen TV-Filmen als vielversprechendes Nachwuchstalent. 2011 stand er für insgesamt 13 Folgen der TV-Serie Die Stein vor der Kamera und überzeugte in Niki Steins bemerkenswerten ZDF-Krimi Vater, Mutter Mörder. Den Sprung auf die Kinoleinwand schaffte er 2013 mit  einer Nebenrolle in der Bestsellerverfilmung Feuchtgebiete (Regie: David Wnendt). 2014 wurde er durch die Rolle des schüchternen Andi in der Teeniekomödie Doktorspiele (Regie: Marco Petry) schließlich einem breiteren Publikum bekannt. Merlin Rose lebt in Berlin.

JULIUS NITSCHKOFF (Rico)

Julius Nitschkoff wurde 1995 in Berlin geboren. Im Alter von 13  Jahren stand er erstmals vor der Kamera, 2009 gab er sein Fernsehdebut im TV-Film Der Typ, 13 Kinder & Ich (Regie: Josh Broecker). Seine Darstellung des Floh in der Episode Rechte Freude (Regie: Christoph Eichhorn, 2009) der für den Fernsehsender produzierten Krimireihe „Krimi.de“ wurde beim Kinderfernsehpreis 2010 besonders gewürdigt. 2011 verkörperte Nitschkoff einen traumatisierten Jugendlichen im ZDF-Fernsehfilm Die Lehrerin (Regie Tim Trageser) und übernahm eine erste kleine Kinorolle in der internationalen Koproduktion Vier Tage im Mai (Regie: Achim von Borries). Es folgten weitere Auftritte in verschiedenen TV-Serien und -Filmen (Stubbe – von Fall zu Fall, Notruf Hafenkante) sowie eine Hauptrolle im Fernsehfilm Komasaufen (Regie: Bodo Fürneisen).

JOEL BASMAN (Mark)

Joel Basman wurde 1990 in Zürich geboren, wo er im Alter von 16 Jahren das Schauspielstudium an der European Film Actor School aufnahm. Bereits ab 2004 stand er für verschiedene TV- und Kinofilme vor der Kamera und wirkte an Jugendtheaterprojekten am Schauspielhaus Zürich mit.

Für seine Leistung in Tausend Ozeane (Regie: Luki Frieden, 2007) erhielt Joel Basman auf dem Internationalen Filmfest Emden-Norderney den Public’s Choice Award sowie den Berner Filmpreis und für Jimmie (Regie: Tobais Ineichen, 2007) den Schweizer Fernsehpreis. 2008 wurde er auf der Berlinale für seine Rolle im Kinodrama Luftbusiness (Regie: Dominique de Rivaz) als Shooting Star des Jahres ausgezeichnet. Seit dem war er im Fernsehen u.a. in den Krimireihen Rosa Roth (2008), Tatort (2010, 2012) und Polizeiruf (2012) zu sehen und spielte 2012 im viel gelobten und preisgekrönten Dreiteiler Unsere Mütter, unsere Väter unter der Regie von Philipp Kadelbach.

Im Kino spielte er unter anderem in Picco (Regie: Philip Koch, 2009),  wofür er den Günter-Strack-Fernsehpreis als Bester Newcomer erhielt. 2014 war er in George Clooneys Monuments Men und im Kinofilm Vielen Dank für nichts von Oliver Paulus und Stefan Hillebrand zu sehen sowie im Tatort Borowski und der Himmel über Kiel unter der Regie von Christian Schwochow. 2013 stand er unter anderem für Wir sind jung. Wir sind stark (Regie: Burhan Qurbani) vor der Kamera, der 2014 auf dem Filmfest Hof Premiere feierte. Für die Darstellung des Pascal Sanier im TV-Film Ziellos (Regie: Nick Halber)  erhielt Joel Basman Anfang 2015 den Schweizer Fernsehfilmpreis. Außerdem drehte er die dänische Produktion UNTER DEM SAND unter der Regie von Martin Zandfliet und mit Barbet Schroeder  an der Seite von Max Riemelt und Bruno Ganz AMNESIA. Im März 2015 kommt seine neue Kollektion „Joel Basman“ raus.

FREDERIC HASELON (Paul)

Frederic Haselon, geboren 1995, wuchs in Hamburg auf. Erste Bühnenerfahrung sammelte er am Hamburger Thalia Theater. Dort war er in den Inszenierungen von Ibsens Nora und Thomas Manns Buddenbrocks zu sehen. Außerdem wirkte er bei verschiedenen Theater-Projekten am Thalia Theater und dem deutschen Schauspielhaus Hamburg mit und übernahm eine Hauptrolle im Kurzfilm 12 Likes (R: Anne Chlosta), der an der Hamburg Media School entstand. Für Als wir Träumten übernahm Frederic Haselon erstmals eine Hauptrolle in einem Kinofilm.

MARCEL HEUPERMAN (Pitbull)

Marcel Heuperman, Jahrgang 1994,  spielte bereits im Alter von 13 Jahren in der Inszenierung Emil und die Detektive von Frank Castorf an der Volksbühne in Berlin. Es folgten mehrere Engagements am Deutschen Theater in Berlin, darunter Frank Wedekinds Frühlingserwachen (Regie: Marc Prätsch). In der Spielzeit 2011/2012 war er in Henrik Ibsens John Gabriel Borkman (Regie: Vegard Vinge) an der Volksbühne Berlin zu sehen. Im Frühjahr 2012 begann Marcel Heuperman sein Schauspielstudium am „Thomas Bernhard“ Institut des Mozarteum Salzburg.

RUBY O. FEE (Sternchen)

Ruby O. Fee kam 1996 in Costa Rica zur Welt. Sie lebte mit ihrer Mutter in Brasilien und anderen Ländern bis sie 2008 nach Berlin zog. Im Alter von 11 Jahren war sie als die junge Rebecca (als Erwachsene verkörpert von Eva Green) in der internationalen Kinoproduktion Womb (Regie: Benedek Fliegauf, 2010) zu sehen. Ab 2009 stand sie für zwei Jahre als Sophie Kellermann in der für einen internationalen Emmy nominierten Serie Allein gegen die Zeit vor der Kamera. In den folgenden Jahren spielte sie in zahlreichen Kinofilmen und TV-Produktionen, wobei sie meist eine Hauptrolle übernahm.

Im Dezember 2013 machte sie durch ihre Darstellung der Titelrolle Sarah in der gefeierten Stuttgarter Tatort-Episode Happy Birthday, Sarah (Regie: Oliver Kienle) auf sich aufmerksam. Ruby O. Fee wurde 2014 mit dem „Jupiter Award“ als beste Schauspielerin, einem Günther Strack Award als beste Nachwuchsschauspielerin sowie dem „Goldenen Spatz“ als beste Schauspielerin des Jahres ausgezeichnet. 2015 wird sie unter anderem in Seitenwechsel von Vivian Naefe, Rockabilly Requiem von Tillmann Edeborn und Tobi Baumanns Ghost Hunters zu sehen sein.

„Wir sind Geschäftsleute.“

Interview mit Andreas Dresen und Peter Rommel

Andreas Dresen, in einem früheren Gespräch haben Sie gesagt, dass Sie stets bestrebt sind, mit Ihrem erlernten Handwerk frei umzugehen. Was bedeutet das für ALS WIR TRÄUMTEN?

Andreas Dresen: Man will mit jedem Film etwas mehr über sich erfahren. Dieser hier hat extrem viel Handwerk von mir verlangt. Ich habe noch nie so viele Schubladen öffnen müssen. Es sind Laien dabei, gestandene Profis, Kinder. Jeder von ihnen erfordert in der Arbeit eine andere Kommunikation. Es gibt gepfefferte Zwischentitel, Genreelemente ohne Ende, Boxkämpfe, wilde Autofahrten, Prügeleien. Viele Szenen also, die schwer zu managen sind und filmisch einiges erfordern, noch dazu historisch und in verschiedenen Zeitebenen. Dann gibt es wiederum so viele zärtliche Momente, kleine Inseln mit merkwürdigen Annäherungen, etwas ganz und gar Entrücktes.

...ein Wechsel zwischen Wirklichkeit und Träumen.

A.D.: Genau, es ist ein permanentes Spiel mit Realem und Unrealem. Das alles war anspruchsvoll wie nie und für mich der Versuch, eine neue Stufe zu erklimmen, weil es die Geschichte verlangt hat. ALS WIR TRÄUMTEN erzählt von Anarchie. Warum soll dann nicht auch der Regisseur ein wenig anarchisch erzählen? Es ist auch ein kleines Epos, ich habe noch nie ein Epos gemacht. Es sollte aber nicht getragen sein, sondern schnell und ruppig.

Peter Rommel: Es ist ein Dresen! Andreas ist behutsam und mutig den nächsten Schritt gegangen, ohne sich zu verraten. Er hat seinen kontinuierlich aufgebauten Weg nicht verlassen und trotzdem eine mächtige Schippe draufgelegt.

Peter Rommel, durch ihre Filmographie zieht sich vor allem ein Wort: Wagnis. Woraus bestand das Wagnis bei ALS WIR TRÄUMTEN?

P.R.: Inhaltlich gab es keins. Da war nur Lust, sich der Kraft und Ehrlichkeit dieses Buches hinzugeben und das filmisch rüberzubringen. Ein Wagnis waren eher die Kurzfristigkeit und die finanziellen Herausforderungen eines solchen Projekts.

Es ist das achte gemeinsame Dresen/Rommel-Projekt. Was musste zwischen Ihnen bestehen bleiben oder sich vielleicht neu entwickeln, um es zu realisieren?

P.R.: Freundschaft, tiefe Verbundenheit, ich würde fast schon von Liebe sprechen. Es ist ein Geschenk, nach so vielen Jahren diese Treue zu erleben. Das alles verleiht mir Glaube, Zuversicht und Hoffnung. Niemals ist es klar, dass der nächste gemeinsame Film entstehen kann. Ich kann nie etwas versprechen, es gab immer wieder kritische Momente, in denen irrwitzige Entscheidungen zu treffen waren. Aber da ist dann Andreas, der sagt: Lass‘ es uns versuchen! Kunst und Arbeit, wie das Leben an sich, sind immer ein Sich-Behaupten.

A.D.: Es gibt einfach bedingungsloses Vertrauen zwischen uns. So als ob man auf die Tanzfläche geht und es kommt ein geiles Stück, das einen irgendwie trägt. Vielleicht haben wir auch in vielen Jahren gelernt, uns einige Fragen nicht zu stellen, sie einfach nicht zuzulassen. Wir gehen miteinander an Grenzbereiche und wenn wir sie spüren, gehen wir trotzdem weiter, immer mit dem Wissen, dass es auch scheitern kann.

P.R.: Wir hatten bislang Glück.
A.D.: Und sind eingebettet in eine Gruppe

von Menschen, die ähnlich herangehen, die sich gestatten zu sagen, dass es eigentlich nicht zu schaffen ist und es trotzdem machen. Sechzehn Stunden am Tag, wenn es sein muss, mit dicken Augenrändern als Lohn.

„Pass auf, Dani! Die sind auch hinter Dir her.“

Interview mit Wolfgang Kohlhaase und Clemens Meyer

Beim Blick auf Ihre Biographien fällt eines sofort auf: Sie sind beide im fast gleichen Alter durch ein Land gelaufen, das gerade ein System abgeworfen hatte. Herr Kohlhaase, Sie waren vierzehn, als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, Herr Meyer, Sie waren zwölf beim Fall der Mauer in der DDR...

WOLFGANG KOHLHAASE: Die Umstände sind natürlich nicht platt vergleichbar. Aber als ich ALS WIR TRÄUMTEN gelesen habe, fiel mir ins Auge, dass es da gewisse Parallelen gibt. Für mein Lebensgefühl war 1989 eine Wendezeit, 1945 war es eine Zeitenwende. Das kann nicht dasselbe sein. Dennoch: Verhältnisse wurden völlig neu geordnet, und alte Regeln galten nicht mehr. Pubertät und Weltgeschichte fielen zusammen. Das ist eine große und bleibende Erfahrung gewesen. Alles, was danach kam, bis zum heutigen Tag, kann ich nicht trennen von diesem Frühling ’45.

CLEMENS MEYER: Es wäre vermessen zu sagen, wir hätten 1989 eine ähnliche Zeitenwende erlebt. 1945 lag größeres Grauen hinter dem Land. Alles, was danach kam, war erbaut auf den Knochen von Millionen. Das Zusammentreffen von Pubertät und Geschichte aber, die eigene physische und psychische Umbruchsituation, das war ähnlich. Darin habe ich auch eine Chance gesehen, ALS WIR TRÄUMTEN von einem erfahrenen Drehbuchautor in einen Film umwandeln zu lassen. Von einem, der eine solche Extremsituation selbst so oder sogar noch besser kennt. Ich hatte Wolfgangs Arbeiten wie Berlin, Ecke Schönhauser gesehen, in denen auch besondere Milieus beschrieben werden, obwohl ich dieses Wort nur ungern benutze. Es sind darin Figuren und Situationen zu finden, an die ich mich erinnert fühlte: Jugendbanden, Haltlosigkeit, Mechanismen von Gewalt und Kleinkriminalität. Wolfgang könnte ja mein Großvater sein, also hat er einen ganz anderen Blick auf die Geschichte, er hat die nötige Distanz und kann sich gleichzeitig in die Figuren einfühlen.

Herr Kohlhaase, kannten Sie ALS WIR TRÄUMTEN schon vor der Arbeit am Drehbuch?

W.K.: Gelesen habe ich das Buch, als ich wusste, dass Andreas Dresen und Peter Rommel darüber nachdachten, einen Film daraus zu machen. Vorher hatte ich davon nur gehört.

Wann haben Sie beide sich persönlich kennengelernt?

C.M.: Als das Drehbuch schon relativ weit fortgeschritten war. Ich habe schnell gespürt, dass Wolfgang diese, wie er sagt, kunstvolle Anarchie erhalten wollte. Da war ich guter Dinge, er ist ja einer der besten Drehbuchautoren im Land. Ich wusste, man muss einen Rausch an Motiven und Bildern erzeugen, die zusammengehören, alles muss offen sein und gleichzeitig stringent. Es ist eine Gratwanderung, weil man immer wieder radikale Entscheidungen treffen muss, um den Roman zu verlassen und sich voll und ganz auf das Drehbuch zu konzentrieren. Ich kann nach dem Sichten des Films sagen, dass meine Hoffnungen nicht enttäuscht wurden.

Wie sehen Sie beide ALS WIR TRÄUMTEN in der Reihe der Andreas-Dresen-Filme?

C.M.: Ich kenne Andreas und seine Filme schon lange. Er ist einer der wenigen Regisseure im deutschen Kino, der eine Handschrift hat. Mit ALS WIR TRÄUMTEN hat er aber, glaube ich, noch einmal etwas ganz Eigenes erschaffen. Das wird Spuren hinterlassen, da bin ich mir sicher.

W.K.: Der Kontrast zwischen Laut und Leise ist radikaler als sonst. ALS WIR TRÄUMTEN hat die genauen, stillen Momente, die immer da sind bei Andi. Und er ist voller Bewegung und Gewalt. 

„Wir sind die Größten!“

Credits

  • Deutschland 2015
  • 117 Minuten
  • Ton: 5.1
  • Bild: 1.85
  • PANDORA FILM VERLEIH präsentiert eine ROMMEL FILM Produktion in Koproduktion mit ISKREMAS FILMPRODUKTION · CINÉMA DEFACTO und RUNDFUNK BERLIN-BRANDENBURG · BAYERISCHER RUNDFUNK · MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK und ARTE FRANCE CINÉMA
  • „ALS WIR TRÄUMTEN“  mit MERLIN ROSE · JULIUS NITSCHKOFF · JOEL BASMAN · MARCEL HEUPERMAN · FREDERIC HASELON und RUBY O. FEE
  • Kamera MICHAEL HAMMON bvk
  • Schnitt JÖRG HAUSCHILD
  • Szenenbild SUSANNE HOPF
  • Kostüm SABINE GREUNIG
  • Maske GRIT KOSSE · UTA SPIKERMANN
  • Ton PETER SCHMIDT
  • Mischung RALF KRAUSE
  • Musikberatung JENS QUANDT
  • Redaktion COOKY ZIESCHE · CORNELIA ACKERS · WOLFGANG VOIGT · DAGMAR MIELKE · ANDREAS SCHREITMÜLLER · OLIVIER PÈRE · RÉMI BURAH
  • Produktionsleitung PETER HARTWIG
  • Koproduzenten ANDREAS DRESEN · ANDREAS LEUSINK · TOM DERCOURT
  • Produzent PETER ROMMEL
  • Drehbuch WOLFGANG KOHLHAASE
  • nach dem Roman von CLEMENS MEYER
  • Regie ANDREAS DRESEN
  • © 2015 Rommel Film · Pandora Film Verleih · Fotos: Peter Hartwig

Impressum

Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG · Lamprechtstr. 11a · 63739 Aschaffenburg
Telefon +49 (0) 6021 / 150 66 0 · Telefax +49 (0) 6021 / 150 66 19

http://www.pandorafilm.de

Inhaltlich Verantwortlicher gemäß §6 MDStV Thomas Matlok · Hauptsitz Balthasarstr. 79-81 · 50670 Köln · Registergericht Amtsgericht Köln · Registernummer HRA 1786 · Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gemäß §27a Umsatzsteuergesetz ​DE 112 152 574

Persönlich haftende Gesellschafterin Pandora Film GmbH · Registergericht Amtsgericht Frankfurt/M. · Registernummer HRB 19095 · Geschäftsführer Reinhard Brundig

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